Meldungen aus dem Kirchenbezirk Balingen 2019

Wahlforum 2019 in Balingen

Dekan Widmann begrüßt die Kandidaten aller sieben großen Fraktionen im Migrationszentrum in Balingen.

Reinhold Schäfer (Freie Wähler), Alexander Maute (SPD), Uwe Jetter (Grüne), Eberhard Jaensch (LINKE), Karl-Josef Sprenger (CDU), Dietmar Foth (FDP) und Sigrid Uhle-Wettler (AfD) sind zum Wahlforum erschienen (Namen v.l.n.r.).

Die Moderation führte mal humorvoll, mal ernst durch den straff getakteten Abend und kitzelte allerlei aus den Kandidaten heraus.

Einfach MACHEN! Besonders Eberhard Jaensch von den Linken bewegte dieses Plakat zu Höchsttouren.

Das Große-Ganze im Blick. Nicht nur auf dem Bild, sondern auch zwischen Kirche und Politik gilt es, diesen Blick nicht zu verlieren.

Stell dir vor es sind Wahlen… und die Kirche geht hin.

Ein Gedankenspiel, das im Hintergrund der vier Wahlforen im Kirchenbezirk Balingen immer präsent war. Insgesamt an vier Abenden in vier Orten (Hechingen, Tailfingen, Sigmaringen und Balingen) trafen Vertreter der Kirche auf Vertreter aus der Politik, um sich über die Anliegen zur anstehenden Kommunal- und Europawahl auszutauschen.

Beim Wahlforum am vergangenen Donnerstag im Migrationszentrum in Balingen trafen dementsprechend die sieben Kandidaten für den Kreisrat aller großen Fraktionen auf Vertreter des evangelischen Kirchenbezirks. Gleich ein ganzes Bündel an „großen Themen“ lag auf dem Tisch:

Armut, Pflege, Sonntagsschutz, Flüchtlinge, Gesundheitsversorgung oder das Verhältnis von Kirche und Politik.

Nach der Begrüßung durch Herrn Dekan Beatus Widmann wurde der Abend von Artur Egle-Theurer, Leiter des Evangelischen Bildungswerks, kurzweilig und mitunter auch provozierend zwischen den Gästen moderiert. Das war nötig, denn Kreistagskandidaten aller sieben Parteien stellten sich der Diskussion: Dietmar Foth (FDP), Karl-Josef Sprenger (CDU), Eberhard Jaensch (LINKE), Uwe Jetter (Grüne), Alexander Maute (SPD), Reinhold Schäfer (Freie Wähler) und Sigrid Uhle-Wettler (AfD) und mussten sich den Fragen und Impulsen Egle-Theurers, später auch aus dem Publikum stellen.

Recht einhellig steht zunächst für alle Kandidaten der Wunsch im Zentrum, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen und die Kommunalpolitik mitgestalten zu wollen. Besonders Eberhard Jaensch (LINKE) ist es wichtig, den Blick der Öffentlichkeit auf benachteiligte Bevölkerungsteile zu lenken.

Die „Gretchenfrage light“ wurde den Geladenen gestellt in Form zweier Aussagen, zwischen denen Sie sich zu positionieren hatten:  Die Kirche soll sich um das Seelenheil kümmern und nicht um Politik“ und „Wer fromm sein will, muss auch politisch sein“.

Auch hier zeigte sich breiter Konsens zwischen den Kandidaten – Kirche und Politik haben deutliche Berührungspunkte und beide bedienen auf ihre Weise Felder, die die Gesellschaft zum Guten mitgestalten wollen. Auch hier war es wieder Jaensch, der klar äußerte, dass Kirche sich lieber aus der Politik heraushalten solle und sich als moralische Instanz zu verstehen habe, die außerhalb der politischen Prozesse stehen solle – also der lediglich eine Mahnerfunktion zukomme. Uhle-Wettler, die betonte, dass Ihr ihre evangelischen Wurzeln durchaus wichtig sind, erachtet es freilich als möglich, dass Pfarrer „als Person“ politisch aktiv sein könnten, allerdings die Kirche als Organisation ihrem Eindruck nach eher dadurch aufgefallen sei, stets an der Seite "der Macht" gestanden zu haben. Ihrer Ansicht nach tendiert Kirche dazu, ein „gesellschaftlicher Dienstleister“ zu werden und sich hier in Bereichen zu betätigen, die nicht ihre primäre Aufgabe (nämlich die der Verkündigung) seien.

Nach den dringendsten Aufgaben gefragt, kamen den Wahlkandidaten sofort Gesundheitswesen und Infrastruktur in den Sinn. Den Vertretern der Kirche war daneben besonders Bildung und sozialer (bzw. sozial verträglicher) Wohnungsbau wichtig. Daneben sprach sich Uwe Jetter (Grüne) für ein Umdenken im Umgang mit der Schöpfung aus: Umweltschutz darf kein Hobby sein, denn „wir verschlafen gerade unsere Zukunft“.

Weiter ging der angeregte Verlauf durch die Themen: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden…“ dieser Aufdruck stand auf einem übergroßen T-Shirt vor der Brust Egle-Theurers. Wer würde sich dieses Hemd anziehen und warum? Hier reichte das Spektrum der Antworten von Jaensch („soziale Ungerechtigkeit“) über Uhle-Wettler (die EU hat zu viele Kompetenzen) bis hin zu: „…das wäre aber auch Jammen auf hohem Niveau“ (Foth, Jetter, Maute).

Was die EU-Kompetenzen anbelangt: Für sechs der sieben Kandidaten war klar, dass Europa ein gelungenes Friedensprojekt sei. Frieden und Wohlstand gehören zusammen – und für dieses Europa, in dem man gut und gerne leben will und kann, gilt es sich weiterhin einzusetzen. Allerdings betonte die AfD-Kandidatin, dass durch die aktuelle Dynamik der Regulationen und wie die EU (nicht Europa) gedacht wird, der Frieden mehr gefährdet als befördert wird.

Auch um das Thema Integration wurde kein Bogen gemacht: Hier bemängelten Jetter (Grüne) und Maute (SPD) den immensen Bürokratismus, der dem Prozess der Integration doch hier und da „einige Stolpersteine“ in den Weg lege. Beide sehen hier, genau wie Foth, den unerlässlichen Beitrag ehrenamtlicher Mitarbeiter als maßgeblich. Nur so kann Integration hier im Zollernalbkreis erst gelingen.

Dekan Beatus Widmann betonte, als es um die Kooperation zwischen Kirche und Kommune ging, dass er es mit Sorge beobachte, dass das Zusammenspiel zwischen Kirche und Kommunen vor allem dort nicht mehr selbstverständlich sei, wo junge Bürgermeister amtieren. Das fruchtbare und so gute Miteinander, das auch dem Gedanken des Subsidiaritätsprinzips zu verdanken ist, wird oft nicht mehr so wahrgenommen. Das Subsidiaritätsprinzip im gerät leider zu leicht aus dem Blick und schwächt die gesunde und gute Wechselwirkung zwischen Politik und kirchlicher Mitgestaltung.

Stell dir vor es sind Wahlen… und die Kirche geht hin.

Der Abend der Begegnung zwischen Kirche und Politik war alles in Allem ein gelungenes Stück (Leistungs-)Arbeit für den Moderator Artur Egle-Theurer. Er hatte die brisante Aufgabe des Zeitwächters und Impulsgebers zugleich; es galt einen sportlich-straffen Zeitplan für die Fülle der Themen einzuhalten – der aber am Schluss einen bunten Strauß an Impressionen und Meinungen ergab.

Auch wenn noch vieles in den 95 Minuten ungesagt bleiben musste – ein schlechtes Gefühl ging damit nicht einher. Denn das Fazit war an vielen Stellen ein positives:

Kirche als Gestalter öffentlichen Lebens ist eine wichtige und ernst zu nehmende Stimme in der Demokratie unserer Gesellschaft. Kirche möchte Anwalt sein für die, deren Teilhabe eingeschränkt ist und deren Stimme leicht – auch in unserer Demokratie vor Ort – überhört zu werden droht. Um jedoch so „anwaltschaftlich“ aktiv sein zu können, braucht es auch die Hörbereitschaft der Politik für die kirchliche Stimme.

 

 

Neujahrs-DV im Haus Bittenhalde

Neujahrs-was??? Am 25. Januar traf sich die sogenannte Diözesanversammlung (DV) des Kirchenbezirks Balingen. Im Haus Bittenhalde begrüßte Dekan Widmann am Freitagnachmittag die Gäste der DV. Zunächst wurden alle Anwesenden der "Hausverwaltung" (so die wörtliche Übersetzung des Begriffs "Diözese") über Neuigkeiten im und um den Kirchenbezirk informiert, neue Gesichter begrüßt und lang Gediente verabschiedet. 

Freilich kam auch der gesellige Austausch in den Tischgruppen nicht zu kurz. Besonderes Schmankerl der Veranstaltung war jedoch der Vortrag von Hrn. Pfr. Dr. Schöllkopf.

Eingeladen zu der Neujahrs-DV waren haupt- und ehrenamtliche, aktive wie auch pensionierte Mitarbeiter der Kirche. Der Kirchenhistoriker Schöllkopf referierte an diesem Nachmittag zum Thema:

 

„Reformation – Außer Thesen nichts gewesen oder Wie wir evangelisch wurden und werden?“ mit Pfarrer Dr. Wolfgang Schöllkopf.

 

Dr. Wolfgang Schöllkopf ist Pfarrer und landeskirchlicher Beauftragter für württembergische Kirchengeschichte. Er gestaltete die Ausstellung zum württembergischen Reformationsjubiläum 2009 und gab den Katalog dazu heraus: „Württemberg wird evangelisch“, ebenso die Ausstellung zum Reformationsjubiläum 2017 mit Katalog „Luther kommt nach Württemberg“.

Der Einladung zu diesem geselligen und interessanten Nachmittag folgten Pfarrerinnen und Pfarrer Ruhestandspfarrerinnen und Ruhestandspfarrer, Pfarrwitwen, Diakoninnen und Diakone, Prädikantinnen und Prädikanten aus allen Teilen des Kirchenbezirks. 

Abgerundet wurde die Zusammenkunft durch köstliche Kuchenvariationen und die musikalische Begleitung durch Bezirkskantor Hrn. Ehni.