"Gedanken zum Sonntag" 2021

Hier finden Sie eine Auswahl der "Gedanken zum Sonntag", die in den Samstagsausgaben des Zollern Alb-Kurier erschienen sind.

Gedanken zu Pfingsten, 23.-24. Mai 2021

Pfingsten – Spirit, Esprit, Geist?
Pfingsten steht vor der Tür. Das Fest des Heiligen Geistes ist das Fest im Kirchenjahr, mit dem die meisten Menschen am wenigsten anfangen können. Den Kindern in der Grundschule muss regelmäßig schmunzelnd erklärt werden: Nein, es geht nicht um „Das kleine Schlossgespenst“ und auch nicht um „Casper, the friendly ghost“. Wobei „freundlich“ eigentlich ganz gut zu diesem Fest passt.
An Pfingsten geht es um den Spirit, den Esprit, die inspirierende Kraft Gottes. Sie kommt von außen, erfasst und bewegt Menschen und eröffnet ihnen neue Möglichkeiten. Erkennbar wird diese Kraft an folgenden Eigenschaften: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Güte und Großzügigkeit, Treue, Freundlichkeit, Demut und Selbstbeherrschung (Gal 5,22). Der Geist Gottes tröstet und ermutigt, er bringt Glauben und schafft Verbindungen. Er weckt Kreativität und Neugier und kann Menschen dazu veranlassen, Überraschendes und noch nie Dagewesenes für sich und für andere zu tun. Wer diesen Geist schon einmal erlebt hat, dem fallen dazu sicher konkrete Beispiele ein.
Das ist aber nicht der einzige Geist, der in der Welt wirkt. Neben dem Spirit Gottes gibt es noch viele andere Energien. Zum Beispiel den „Geist des Humanismus“. Er zeigt sich ebenfalls freundlich und hilfreich, edel und gut. Die Humanisten würden ihn aber ungern mit dem Geist Gottes in Verbindung bringen. Der humanistische Geist schafft alles aus sich selbst heraus, mit eigener Kraft. Ihm wird von manchen daher auch eine gewisse Eitelkeit und Überheblichkeit nachgesagt, mit der er auf andere herabblickt. Dann gibt es noch den „Geist der Zwietracht“. Er bringt mit sich: Feindschaft, Streit, Eifersucht, Wut, Eigennutz, Lagerbildung, Neid (Gal 5, 20f). Diese Energien machen Menschen misstrauisch und kontrollierend. Sie gönnen dem andern sein Glück nicht, sind neidisch und gehässig. Auch für diesen Geist gibt es Beispiele zu Hauf, besonders in diesen Tagen.
Pfingsten gibt uns die Möglichkeit zu fragen: Von welchem Geist lasse ich mich eigentlich erfassen und leiten, welche Energien gebe ich an andere weiter?
Wer es einmal mit dem Geist Gottes probieren möchte, dem kann gesagt werden: Gott ist großzügig, er schenkt seine inspirierende, tröstende und ermutigende Energie gerne an jeden weiter, der sich von ihm beschenken lassen will. Der Kontakt ist leicht hergestellt: Einfach mit ihm reden und das eigene Herz öffnen. Aber Vorsicht! Sich mit dem lebendigen Gott einzulassen, ist nichts für Weicheier. Der Geist Gottes ist nicht kontrollier- und beherrschbar. Es könnte -wie gesagt- Überraschendes passieren. In diesem Sinne: ein fröhliches Pfingstfest!

Dorothee Sauer, Co-Dekanin im Ev. Kirchenbezirk Balingen

Gedanken zu Christi Himmelfahrt, 13. Mai 2021

In diesen Tagen findet der Ökumenische Kirchentag statt. Gerne hätte die Stadt Frankfurt am Main zusammen mit den Kirchen für tausende von Teilnehmern vor Ort ein großes Programm gestaltet. Vieles ist nun in den virtuellen Bereich verlagert. Veranstaltungen finden online statt. Reden gibt es als Videoübertragung und zum Anhören. Manche Gottesdienste finden dezentral in den Gemeinden statt. Auch im Zollernalbkreis beteiligen sich einige.
Das Leitwort "schaut hin" (Mk 6,38) steht im Mittelpunkt des Ökumenischen Kirchentages. Es ist kein reines Zitat, sondern eine Interpretation des "geht hin und seht nach" aus der Geschichte der Speisung der 5.000 mit fünf Broten und zwei Fischen.
"'schaut hin' ist ein Appell – an uns alle", sagt die Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages, Bettina Limperg, bei der Veröffentlichung im Oktober 2019. "Schauen ist mehr als sehen. Schauen nimmt wahr und geht nicht vorbei. Schauen bleibt stehen und übernimmt Verantwortung. Aktiv Verantwortung zu übernehmen, ist unser Auftrag als Christinnen und Christen."
'schaut' hin ist klein geschrieben, weil es sowohl als Imperativ als auch indikativ zu verstehen ist: Er/Sie/Es schaut hin, aber eben auch Gott schaut hin. Es ist mehr als ein Appell. Schließlich bezieht es sich auf eine biblische Geschichte, die sehr zentral Gottes Fürsorge in den Blick nimmt. Unsere Verheißung, aus der wir Mut, Kraft, Zuversicht und Hoffnung schöpfen. Das, was der Mensch als Mangel wahrnimmt, kann Gott zur Fülle weiten: Es ist genug.
Präsident Thomas Sternberg betont im Oktober 2019: "Mit dem Leitwort wollen wir die Botschaft setzen: 'Wir schauen nicht weg'. Wir nehmen die Sorgen und Bedrängnisse der Menschen ernst. Wir tun das in der Gewissheit, dass Gott nicht wegschaut."
Das Leitwort fordere auf, hinzuschauen. Handeln beginne mit Wahrnehmen von Leid und Sorge, von Schönheit und Glück. In diesem Sinne wolle der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt in die Welt, auf die Sorgen und Ängste der Menschen schauen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen suchen.
‚schaut hin‘ verstehe ich an dieser Stelle als Einladung. Herzlich Willkommen beim Ökumenischen Kirchentag! Durch die digitalen Möglichkeiten und Übertragungen können sich in diesem Jahr noch viel mehr Menschen zu einer kirchenverbindenen Gemeinschaft zusammenschließen, als dies analog je möglich gewesen wäre. Insofern erleben wir ansatzweise mit, was damals Wunderbares geschehen ist: Jesus machte unglaublich viele Menschen satt. ‚schaut hin‘, schaltet ein, klickt drauf, macht mit, seid dabei!
(Zitate und einzelne Textbausteine: www.oekt.de)

Johannes Hartmann

Gedanken zum Weltgebetstag

Auf Sand bauen
„Leckerer Kuchen!“ rufen Kinder, um ihre Sandformen anzupreisen. Und Kinder wie Erwachsene haben Freude am Sandburgenbau. Mancher Strand ist in den Sommermonaten gegen Abend eine einzige Landschaft aus Burgen mit Wassergraben, liebevoll verziert mit Muscheln, Tang und Federn. Und am nächsten Morgen? Nun, da ist der Sand wieder platt und bereit für neue Bauobjekte.
Sand steht für Kreativität, Spaß und Spiel – letzteres ist bekanntlich auch Arbeit und Grundlage fürs Lernen.
Sand erleben wir als weich, nachgiebig, gestalt- und veränderbar.
Das Gegenteil dazu ist ein Fels. Auf solchen stehen – jahrhundertelang -  Burgen, aus hartem Stein. Hier ist die nächste Burg Hohenzollern. Bei einer Fahrt entlang dem Rhein präsentiert sich eine hocherhabene Burg nach der anderen. Im Mittelalter waren sie uneinnehmbar und man hat von dort eine hervorragende Weitsicht.
Die Frauen aus Vanuatu – ein Inselstaat im Pazifik -  die uns den heutigen Gottesdienst zum Weltgebetstag vorbereitet haben, haben die Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium ausgewählt. Dort lehr Jesus in der Bergpredigt und gibt Hinweise darauf, wie wir weise leben können. So sind kluge Frauen und vernünftige Männer gut beraten, ihr Haus auf Fels zu bauen. Denn Regen und Sturm können dem Haus nichts anhaben. Dagegen das auf Sand gebaute Haus stürzt ein, sobald Regen herabfällt, Flüsse über die Ufer treten und Stürme dagegen prallen.
Und diesen Text wählten Frauen aus, die auf Inseln leben? Denen mit der Erderwärmung und dem ansteigenden Meeresspiegel das Wasser zunehmend bis zum Hals steht!?
Ja. Und sie haben auch die Erklärung dazu gegeben. Der Fels, auf den sie ihr Leben bauen ist weder Sand noch Stein, sondern Gott. Gott ist der Urgrund. Gott ist das Fundament ihres Lebens. Darauf bauen sie ihr Vertrauen. Auf seine Liebe und Vergebung bauen sie. Daraus ziehen sie ihre Kraft und den Mut, den es zum Leben braucht. So singen wir in dem Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ die Zeile: wer Gott dem allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. Und die Frauen aus Vanuatu bringen ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass wir alle dazu beitragen, die Erderwärmung zu begrenzen. Dass jeder dazu beiträgt, was er kann. Dies entspricht dann auch dem Motto des Weltgebetstages: „Handelnd beten und betend Handeln“.

Christina Widmann
Bezirksarbeitskreis Frauen